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Der Kampf mit der kleinen gelben Filzkugel

Auf unerklärliche Weise kam ich un­verhofft irgend­wann zu ZEIT. Freizeit, die es galt zu füllen, zu gestalten und einzuteilen. Doch nichts leichter als das, dachte ich, denn Tennis- und Klavierspielen standen mein halbes Leben auf meiner Wunschliste ganz oben. Was hätte mich also aufhalten sollen?

Das liegt nun einige Jahre zurück und inzwischen ist es mit der freien Zeit nicht mehr ganz so prickelnd. Dagegen klappt das mit dem Klavierspielen so­gar einigermaßen, zumindest für den Hausgebrauch. Doch hat man sich erst einmal in den Kopf gesetzt Tennis zu spielen, kommt man nicht mehr davon los. Und mich, mich hatte es vom ersten Moment an gepackt!

So war ich mit Abstand die Älteste auf dem Platz, die es sich in den Kopf ge­setzt hatte, diesen Sport zu erlernen. Doch das machte mir nichts aus, denn so schwer konnte das doch nicht sein, dachte ich. So übte ich das richtige Halten und Benutzen des Schlägers, das Treffen des Balles, was sich als sehr schwierig erwies und lernte das Zählen, insbe­sondere der verlorenen Punkte. Verbissen und verkrampft ge­lang es mir zunehmend den Ball in das gegnerische Feld zu spielen. Doch leider kam er von dort auch wieder zurück. Was soll ich sagen: mein Können stagnierte, eine Stei­gerung schien unmöglich. Je­doch das schlimmste war: ich kannte keinen Freiwilligen, der mit mir hätte spielen wollen. So tat der Frust seines noch dazu und war alles andere als ein Förderer vom Weiter­kommen. Wenn die ganze Plackerei nicht umsonst ge­wesen sein soll, musste ich mir etwas einfallen lassen, und zwar schnell!

Doch das war gar nicht nötig, denn ich sah meiner Tochter zu, die seit kurzem im TV-Refrath Trainer­stunden nahm. Mit welcher Leichtigkeit es so ein Kind doch schaffte, Schläger und Ball ge­zielt gegen den Gegner einzu­setzen. Das wollte ich auch können.

Auf meinem ersten Kuddel-Muddel-Pfingst-Turnier im TV-Refrath, und in­zwischen nehme ich alle Gelegen­heiten wahr, mit anderen Tennis­spielern ins Gespräch zu kommen, hatte ich wirklich Spaß. Zu meinem Erstaunen spielten meine Partner mit mir mit großer Gelassen­heit. Aber mit Abstand die beste Er­kenntnis des Tages war, dass man mit guten Doppelpartnern tatsächlich Spiele ge­winnen kann. So ging ich an diesem Abend mit drei Schleifchen am Schläger nach Hause. Für mich: ein­fach sensationell!

Heute gehört Tennisspielen zu meinem Alltag. Zwei- bis dreimal pro Woche stehe ich auf dem Platz und gehe in­zwischen mit Genugtuung und Frust ge­lassener um. Auch wenn ich wohl nie mehr so er­folgreich sein werde wie jemand, der seit seiner frühsten Jugend Tennis spielt, so macht es mich trotzdem stolz dazu zu gehören. Mein Motto ist, dass ich erst wieder mit dem Tennisspielen aufhöre, wenn die Alterser­scheinungen und Beschwerden so groß werden, dass man diese mit Spielsiegen nicht mehr wegdrücken kann. Was wäre ein Tennistag ohne den Frust eines miss­lungenen Schla­ges und ohne den Triumph, den ent­scheiden­den Punkt mit einem Ass ge­macht zu haben.

Vielleicht führen meine Erfahrungen dazu, dass Sie es auch einmal versuchen wollen. Seien Sie mutig, unterschätzen Sie sich nicht und nehmen Sie den Kampf mit der kleinen gelben Filzkugel auf.  Wir helfen Ihnen dabei.

Iris Theim

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